Warum Matrix eine gute Alternative für Mattermost ist

Mattermost: Eine solide Plattform unter Druck

Mattermost hat sich über Jahre hinweg als zuverlässige Open-Source-Lösung für Team-Kommunikation etabliert. Besonders für Organisationen, die ihre Daten selbst hosten möchten, war Mattermost lange Zeit die erste Wahl. Die Plattform bietet Kanäle, Direktnachrichten, Dateifreigaben und Integrationen mit gängigen Entwickler-Tools – auf den ersten Blick also alles, was ein modernes Team braucht.

Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild gewandelt. Mattermost hat zunehmend Funktionen, die früher zur kostenlosen Community Edition gehörten, hinter eine kostenpflichtige Lizenzschranke verschoben. Was einst eine vollwertige Open-Source-Alternative zu Slack war, wird schrittweise zu einem Freemium-Modell umgebaut – mit immer mehr Einschränkungen für Nutzer ohne Enterprise-Lizenz.

Was sich bei Mattermost verändert hat

Konkret betrifft dies unter anderem folgende Bereiche:

  • Begrenzung gespeicherter Nachrichten auf 10.000: In der kostenlosen Edition werden nur noch die letzten 10.000 Nachrichten pro Team gespeichert. Für größere Organisationen oder Teams mit intensiver Kommunikation ist das ein erhebliches Problem – ältere Nachrichten und damit wichtiges Wissen gehen schlicht verloren.
  • Eingeschränkte Video-Call-Gruppenfunktion: Gruppen-Videoanrufe sind in der Free Edition stark limitiert. Was für viele Teams eine selbstverständliche Funktion sein sollte, wird so zum Argument für ein kostenpflichtiges Upgrade.
  • Erweiterte Berechtigungssysteme und Rollenverwaltung sind zunehmend Enterprise-Features.
  • Compliance- und Audit-Funktionen werden aus der freien Edition herausgelöst.
  • Erweiterte Authentifizierungsoptionen (z. B. SAML, erweiterte AD/LDAP-Gruppen) sind kostenpflichtig geworden.
  • Gäste-Accounts und bestimmte Administrations-Features wurden in höhere Preisstufen verschoben.

Für kleine Organisationen, Vereine, Non-Profits oder Open-Source-Projekte, die auf eine kostenfreie, vollständige Lösung angewiesen sind, wird Mattermost damit zunehmend unattraktiv. Der Frust in der Community ist spürbar – und der Blick nach Alternativen wächst.

Matrix: Das offene Protokoll als Ausweg

Hier kommt Matrix ins Spiel – genauer gesagt das offene Kommunikationsprotokoll Matrix.org und dessen bekanntester Client Element (früher Riot). Matrix verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als Mattermost: Statt einer monolithischen Anwendung handelt es sich um ein dezentrales, föderiertes Protokoll – vergleichbar mit E-Mail, aber für Echtzeit-Kommunikation.

Was macht Matrix besonders?

  • Vollständig quelloffen: Das Protokoll und die Referenzimplementierungen (Synapse, Dendrite) sind zu 100 % Open Source – ohne versteckte Enterprise-Only-Features.
  • Selbsthosting ohne Funktionsverlust: Wer einen eigenen Homeserver betreibt, erhält den vollen Funktionsumfang – keine abgestuften Lizenzen, keine künstlichen Beschränkungen.
  • Föderierung: Matrix-Homeserver können miteinander kommunizieren. Nutzer auf verschiedenen Servern können problemlos miteinander chatten – ähnlich wie bei E-Mail zwischen unterschiedlichen Providern.
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Matrix unterstützt standardmäßig E2E-Verschlüsselung in direkten Nachrichten und Räumen, basierend auf dem modernen Double-Ratchet-Algorithmus.
  • Brücken zu anderen Plattformen: Über sogenannte Bridges lässt sich Matrix mit Slack, Teams, WhatsApp, IRC und vielen weiteren Diensten verbinden – ein enormer Vorteil beim schrittweisen Umstieg.
  • Standardisiertes Protokoll: Matrix ist ein offener Standard (kein proprietäres Format), der von der EU und verschiedenen Regierungsbehörden aktiv gefördert wird – darunter die Bundeswehr und das französische Innenministerium.

Matrix in der Praxis: Wer setzt es bereits ein?

Matrix ist längst kein Nischenprojekt mehr. Zu den bekanntesten Nutzern zählen:

  • Die Bundeswehr (BwMessenger) nutzt Matrix für interne Kommunikation.
  • Das französische Gesundheitsministerium und weitere Behörden setzen auf Matrix.
  • Zahlreiche Open-Source-Projekte und Universitäten weltweit betreiben eigene Matrix-Homeserver.
  • Die FOSDEM-Konferenz nutzt Matrix als offizielle Kommunikationsplattform.

Fazit: Der Wechsel lohnt sich

Mattermost bleibt eine gute Software – aber die Entwicklung hin zu einem immer restriktiveren Lizenzmodell zwingt viele Organisationen zum Umdenken. Wer Wert auf eine wirklich freie, vollständige und nachhaltig offene Kommunikationsplattform legt, findet in Matrix eine überzeugende Alternative.

Der Einstieg ist dank moderner Clients wie Element, Cinny oder FluffyChat niedrigschwellig. Die Migration bestehender Strukturen erfordert etwas Planung – ist aber mit den verfügbaren Brücken und Werkzeugen gut umsetzbar.

Matrix ist nicht nur ein Ersatz für Mattermost. Es ist ein offener Standard für die Kommunikation der Zukunft – dezentral, sicher und ohne Vendor Lock-in.


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